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5G Fixed Wireless Access (FWA)

Gigabit Heim-Anschlüsse per Funk und 5G


Der LTE-Nachfolger 5G soll nicht nur Smartphones auf Gigabit-Speed beschleunigen und das Internet der Dinge vorantreiben. Der Funkstandard könnte sogar endlich Datenraten von über 1000 MBit in jedes Dorf bringen, auch ohne teuren Glasfaserausbau. Wie? Über eine Technik namens 5G Fixed Wireless Access, kurz 5G FWA.

Gigabit Internet für alle: So funktioniert es

Der Gedanke ist simpel – warum nicht die Eigenschaften von 5G zur Überbrückung der letzten Meile per Funk nutzen, wo die Anbindung mittels Glasfaserausbau zu teuer ist? Gemeinhin gilt die letzte Meile seit jeher als der größte Bremsklotz im Breitbandausbau. Genau da setzt Fixed Wireless Access an! Die Strecke vom Verteilerkasten zum Kunden wird mit einer Art Richtfunkstrecke und der 5G-Technik realisiert. Teure Kabelschachtarbeiten sind also nicht nötig. Bei Frequenzen um die 26 GHz und darüber, verhalten sich die Funkwellen ähnlich wie Licht, können also gebündelt und fokussiert auf einer Strecke bis ca. 1 Kilometer transferiert werden.

So funktioniert Fixed Wirless Access


5G FWA soll also eine leistungsstarke Alternative zu Kabel, VDSL und DSL werden, besonders in ländlichen Gegenden oder Kleinstädten.

Anbieter: Wer arbeitet an 5G FWA?

Es sind sowohl Testprojekte von der Deutschen Telekom, als auch von O2-Telefónica bekannt. Die beiden Unternehmen wollen spätestens 2020 passende Tarife über 5G FWA für Endkunden anbieten. Vodafone hat bisher keine Bestrebungen derart veröffentlicht.

Im Gegensatz zu O2, hat die Deutsche Telekom im Marktsegment "Internet per Funk" schon einiges an Erfahrung gesammelt. Seit der Einführung von LTE, vertrieben die Bonner mehrere Komplettlösungen rein auf Funkbasis. Zudem noch Hybrid-Internet, ein Mischung-Anschluss aus (V)DSL und 4G. O2 hielt sich mit derartigen Angeboten stets zurück und setzte vornehmlich auf das Smartphone-Mobilfunksegment. Mit der Einführung von 5G könnte sich das daher erstmals ändern. Das wäre für O2 auch bitter nötig. Denn im Gegensatz zur Telekom und Vodafone, unterhält O2 kein eigenes Festnetz zur Versorgung der Kunden mit schnellem Internet. Mit ausgefeilten Funk-Lösungen, könnte das Düsseldorfer Unternehmen die Lücke kostengünstig schließen.

Drei Begriffe, ein Konzept

Natürlich eignet sich der etwas sperrige Begriff „Fixed Wireless Access“ kaum, um damit potenziell interessierte Kunden anzusprechen. Daher haben die Marketingabteilungen greifbarere Bezeichnungen ersonnen. Bei der Deutschen Telekom heißt es treffender Weise „Virtual Fiber“, sozusagen „virtuelle Glasfaser“ - da FWA zwar die Eigenschaften von Glasfaser-Internet aufweist, aber ausschließlich per Funk ohne Lichtwellenleiter übertragen wird. Huawei setzt auf den Begriff „Air Fiber“, was soviel bedeutet wie „Glasfaser über die Luft“.

FWA Empfangseinheit für Zuhause von O2 | Bild: Rolf Otzipka / O2 Presse


Wann kommt Fixed Wireless Access?

Sehr bald wahrscheinlich! Nokia ging auf dem Mobile World Congress 2019 sogar davon aus, dass die ersten Netze in Deutschland nicht für Smartphone-Nutzer zugängig sein werden, sondern zunächst für FWA. Daher zur Erschließung breiter Bevölkerungsschichten mit zukunftsfähigem Internet.  Wir halten einen Vertriebsstart Anfang 2020 ebenfalls für realistisch.

Tests starteten schon Ende 2018

Wie schon angedeutet, testen O2 (Details) und Telekom (Details) FWA schon länger – und zwar sogar unter Realbedingungen mit echten Verbraucherhaushalten. Die Technik ist also keineswegs nur hypothetischer Natur, sondern funktioniert bereits! Glaubt man den Angaben beider Unternehmen, sogar bestens!

Richtfunk Test von O2

Bild: O2 Telefónica


Wie schnell werden FWA-Tarife?

In frühen Tests konnten Datenraten von gut 1 GBit/s (1000 MBit/s) realisiert werden. Theoretisch sind aber über die Technik auch weit höhere Transferraten erreichbar. Genauer gesagt wären beim "Funk-Glasfaser" auf 26 GHz bis zu 4 GBit machbar.

Neue Hardware nötig?

Teils ja, teils nein. Natürlich wird ein spezieller Empfänger benötigt, was vom Prinzip dem Glasfasermodem bei FTTH entspricht, nur dass dieser die Richtfunkwellen aufnimmt. Die Empfangseinheit soll, je nach Möglichkeit vor Ort, indoor oder outdoor angebracht werden. Daran wird dann, wie gewohnt, ein leistungsstarker WLAN-Router angebunden, wie z.B. der Speedport Pro.

Möglich wäre aber auch eine Lösung mit Stand-Alone Routern. Entsprechende Geräte hat z.B. Huawei mit dem „5G Pro“ Router in der Pipeline, der erstmals auf dem MWC 2019 vorgestellt wurde.

Vorreiter USA

Wie so oft, haben andere Länder die Nase vorn. Der US-amerekanische Provider Verizon vertreibt seit 2018 ein 5G FWA-Tarif namens "5G HOME". Ohne Volumenbegrenzung mit 300 MBit für 70 $ monatlich.

Unser Fazit

Mit Fixed Wireless Access könnte endlich der Durchbruch für die Versorgung (zu vertretbaren Kosten) des ländlichen Raumes mit superschnellem Internet ins Haus stehen. Wir erwarten einen ähnlichen Quantensprung wie damals 2011, als LTE erstmals Anschlüsse mit über 50 MBit in entlegene Dörfer brachte. Auf dem Papier erscheint die Technik der ideale Kompromiss zu sein, ohne dass überall aufwändig Glasfaser vergraben werden müsste.

Ob 5G FWA ein Erfolg wird, hängt aber in erster Linie von den Tarifen ab, welche Telekom und O2 künftig schnüren. Gigabit per Funk wird es zu Beginn aber wohl kaum unter 80 € geben, so realistisch sollte man sein. Die Preise müssen schließlich in etwa denen „echter“ Glasfaser-Tarife entsprechen. „MagentaZuhause Giga“ mit 1 GBit kostet momentan rund 120 Euro, allerdings mit TV-Anschluss.

Die Gretchenfrage dürfte aber wie immer sein, wie viel Inklusivvolumen den FWA-Kunden zur Verfügung steht bzw. ob es eine Volumenlimitierung geben wird? Denn 1 GBit mit nur 100 GB bringt eben nur kurzfristig Vorteile in einem langen Nutzungsmonat …