Was ist 5G-Advanced?
Alles zum „noch besseren“ 5G der Zukunft
Nov. 2026: Der Vorgänger „LTE“ trug bereits im Namen den Hinweis, dass ein Mobilfunkstandard über seinen gesamten Lebenszyklus (ca. 10 Jahre) fortwährend weiterentwickelt wird. „Long Term Evolution“ heißt ja nichts anders als „lange Weiterentwicklung“. Auch bei 5G steht das Rad der Zeit nicht still. Seitdem Anfangs-Release 15, wurden über Rel. 16 bis Rel. 18 stetig neue Funktionen hinzugefügt und technische Optimierungen vorgenommen.
Spätestens mit Release 18 waren dann die Verbesserungen derart groß gegenüber der „ersten 5G-Version“, dass man dies mit dem Zusatz „Advanced“ adelt. Wir zeigen, was genau dahintersteckt und was das Upgrade alles besser machen soll.
Was ist mit „Advanced“ gemeint

5G Adv. Logo | Quelle: 3GPP
Als LTE 2010 langsam weltweit Verbreitung fand, boten die ersten kommerziellen Netze meist Datenraten von 50-150 MBit/s. Obgleich das gegenüber 3G mit 42 MBit eine enorme Verbesserung war, markierte erst das 2013 mit „LTE Advanced“ titulierte und verbesserte LTE einen echten Meilenstein den wir heute noch nutzen.
Seither sind 300-500 MBit, in Ausnahmefällen auch mehr, über 4G möglich. Denn erst bei LTE-Adv. kam erstmals die auch für 5G äußerst wichtige Technik des Carrier-Aggregation zum Einsatz, wo Frequenzbereiche gebündelt werden für wesentlich mehr Performance.
Einen ähnlichen Quantensprung soll es nun mit „5G Advanced“ geben. Damit bezeichnet 3GPP offiziell die nächste Entwicklungsstufe des 5G-Standards (ab Release 18). Es handelt sich also nicht um einen frei gewählten Marketingbegriff wie bei „5G+“, sondern um eine offizielle Bezeichnung innerhalb der 3GPP-Standardisierung.
Heutige 5G-Netze in Deutschland bleiben noch deutlich unter den theoretischen Spitzenwerten des 5G-Standards. Diese sahen unter Idealbedingungen Peak-Raten von bis zu 20 GBit/s im Downlink vor (IMT-2020). Heute sind es weiterhin bestenfalls 1 bis 2 GBit/s.
Auch besonders niedrige Latenzzeit gehörten von Anfang an zu den technischen Zielen von 5G. Die nicht selten erwähnte 1 Millisekunde als Ziel bezieht sich allerdings nur auf spezielle URLLC-Applikationen und nicht auf Alltagswerte für den üblichen Internetping am PC oder Smartphone. Realistisch sind für Endkunden eher Top-Werte von 4-5 ms (User-Plane-Latenz für eMBB). Wie hoch die Latenz tatsächlich ausfällt, hängt vor allem ab von der Netzarchitektur, Frequenzen, Auslastung und der Entfernung zum jeweiligen Server.
Das hat viele Gründe! Einer davon ist, dass teilweise noch5G NSA verwendet wird, also kein echtes 5G. Aber auch zu geringe Frequenzbandbreite spielt eine Rolle. Diverse Änderungen in der Netzarchitektur könnten hier zusätzliche Vorteile eröffnen.
Zwar haben die deutschen Netzbetreiber 5G Standalone (echtes 5G) inzwischen weitflächig implementiert. Ob es tatsächlich genutzt wird, hängt jedoch auch vom Anbieter, Tarif, Endgerät und der jeweiligen Netzfunktion ab.
Was bringt 5G-Advanced und wann kommt es?
Zumindest die grundlegenden Spezifikationen sind für 5G-Advanced schon lange fertig. Release 18, das erste offizielle 5G-Advanced-Release, wurde 2024 finalisiert. Ende 2025 folgte sogar das noch neuere Release 19 und die 3GPP arbeitet schon an Rel. 20. Mit dem 20. Release sollen die Advanced-Funktionen nochmals weiterentwickelt werden.
Daher haben erste 5G-Advanced-Funktionen ihren Weg bereits in die deutschen Mobilfunknetze gefunden, wenngleich diese selten auch so explizit benannt oder beworben werden. Dazu zählen etwa L4S für besonders stabile, latenzarme Datenübertragungen sowie RedCap für einfachere und stromsparende 5G-Geräte wie Smartwatches oder Sensoren.
Ein Grund für die eher leisen Upgrades ist sicher auch, weil diese schrittweise implementiert werden und nicht als „großes, einmalige Netzupdate“. Welche davon für Kunden tatsächlich nutzbar sind, hängt zudem weiter vom Netzbetreiber, Endgerät und teilweise auch vom Tarif ab.
Neben teils deutlichen Performancevorteilen wird 5G-Adv aber auch etliche anwendungsspezifische Verbesserungen mit sich bringen. Vor allem für „Extended Reality“ (XR) und künstliche Intelligenz (KI bzw. AI/ML). KI soll dabei auch die Übertragung bzw. das Netz selbst optimieren helfen und auf verschiedenen Netzebenen arbeiten.
Wie auch schon LTE-Advanced den Weg zu 5G ebnete, dürfte 5G-Advanced langfristig sogar mit die Grundlagen für die nächste Mobilfunkgeneration schaffen. Gemeint ist 6G, das ca. 2030 erwartet wird. An 6G (IMT-2030) wird schon seit länger gearbeitet.

Ein weiterer Vorteil neuerer 5G-Netztechniken: Auch die Upload-Datenrate wird künftig endlich stark zulegen. Bisher liegt diese eher im Bereich wie es schon bei LTE möglich war. Also bei ca. 50-100 MBit/s.
Die beste Möglichkeit für höhere Sendedatenraten ist das sogenannte Uplink Carrier Aggregation mit TX-Switching. Dabei werden, wie zuvor schon im Downstream, auch im Upload in mehrere Frequenzbereiche gebündelt. Carrier-Aggregation beim Senden sozusagen.
Vodafone erzielte damit bereits im Jahr 2024 in ersten Tests gut 270 MBit/s. Seit Mai 2026 setzt der Anbieter das Verfahren auch im deutschen Live-Netz ein. In der Praxis sollen damit gut 200 MBit/s im Upstream möglich sein. Allerdings erfolgt der Ausbau und die Abdeckung wie immer Schrittweise und es wird ein passendes, kompatibles Smartphone vorausgesetzt.[1]
Neue bzw. optimierte Anwendungsbereiche
Genannt werden in einem Whitepaper[2] insbesondere folgende Felder, wo 5G Advanced deutliche Verbesserungen mitbringt oder erst den Einsatz ermöglicht:
V2X (vernetztes und automatisiertes Fahren), Videoüberwachung, Industrie 4.0, IPTV, 5G Broadcast, Hot-Spot Areas (z.B. Stadion, Bahnhof), extended Reality sowie Optimierungen für IoT, Wearables (Smartwatch etc.) und verbesserte Abdeckung.
Energieeffizienz ist weiter ein großes Thema! Nicht nur für die Privatkundennetze gibt es zahlreiche Verbesserungen für weniger Stromverbrauch.
Für IoT-Geräte gibt es zudem mit RedCap („Reduced Capability“) eine abgespeckte 5G-Variante. Die RedCap-Technik wurde schon in Rel. 17 eingeführt und mit Rel. 18 nochmals deutlich verbessert. Die Technik ist vor allem für Wearables, Sensoren, Kameras und andere Geräte gedacht, die nicht die hohen Datenraten eines Smartphones benötigen. Dank geringerer Komplexität und anderer Verfahren, kann so der Energieverbrauch erheblich reduziert werden. Das bedeutet in der Praxis vor allem längere Akkulaufzeiten – z.B. an der Smartwatch. RedCap ist mittlerweile auch praktisch im Alltag angekommen: Die Deutsche Telekom bietet die Technik seit 2025 hierzulande kommerziell – zum Beispiel für Wearables. Andere Anbieter dürften bald folgen.
Wann kommt das "neue", optimierte 5G?
Das „bessere 5G“ ist leider kein Verfahren, was über Nacht einfach so angeschaltet wird. Vielmehr finden die neuen Funktionen aus 5G-Advanced Stück für Stück (teils unbemerkt) Einzug in die Mobilfunknetze und in unseren Alltag. Entscheiden für Verbraucher ist allerdings weniger, was neue 5G-Releases wie Rel. 20 prinzipiell könnten, sondern was die Provider auch aktiv implementieren.
Einige konkrete Beispiele gibt es bereits. Die Deutsche Telekom hat mit „L4S“ und „Redcap“ zwei wesentliche Advanced-Funktionen schon im Netz integriert. L4S soll auch bei hoher Netzauslastung für stabile Latenzen sorgen – also eher ein wichtiger Punkt für Gamer (z. B. 5G+ Gaming). Vodafone hat wiederum 2026 mit „Uplink CA samt TX-Switching“ die Uploadrate auf ein neues Level gebracht.
Der Übergang zu 5G-Adanced erfolgt also bereits seit einiger Zeit, allerdings eher dezent und schrittweise. Ob Sie als Kunde von den Neuerungen profitieren, hängt dabei wie immer auch von Tarif, Endgerät und Netz-Ausbaustand vor Ort ab. Zudem müssen einige Features aktiv freigeschaltet werden (meist in der App von Telekom oder Vodafone).
Weiterführendes für Sie:
» Wie schnell ist 5G heute?» Was sind die 5 wichtigsten 5G-Frequenzen?
» 5G Tarife: Welche Angebote gibt es schon?
Quellen zum Artikel:
1) https://unternehmen.vodafone.de/newsroom/vodafone-macht-schnellere-uploads-im-5g-netz-moeglich
2) Whitepaper: Becoming 5G Advanced - the 3GPP 2025 Roadmap
