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5G Ausbau

Erste Regionen, Pläne, Probleme & Hürden


5G ist in Deutschland bereits verfügbar – entgegen ersterer Prognosen, ging der 5. Mobilfunkgeneration für Endkunden bereits im Sommer 2019 ans Netz. Natürlich zunächst nicht bundesweit, sondern in ausgesuchten Städten. Wo läuft der 5G-Ausbau bereits und in welchen Regionen wird dieser zu Beginn priorisiert? Alles zum aktuellen Stand, den Plänen und Problemen haben wir für Sie hier zusammengefasst.

1. aktueller Stand zum 5G-Ausbau

Soviel vorweg: Das deutsche 5G-Netz steckt praktisch noch im Säuglingsstadium. Vodafone startete im Juli diesen Jahres als erster Provider ins 5G-Zeitalter. Allerdings betonten die Düsseldorfer gleichzeitig in einer Pressemitteilung, dass der Aufbau viel Zeit in Anspruch nehmen werde. Dennoch können erste Nutzer die Technik schon nutzen. Gleich zum Auftakt funkten 60 5G-Antennen in mehr als 20 Städten und Gemeinden. Darunter Köln, Düsseldorf, Hamburg, Dortmund und München. Doch welche Städte stehen noch auf der Agenda und wie sehen die Ausbaupläne zu 5G von Vodafone für die Zukunft aus? Zudem erfahren Sie hier, welche 5G-Tarife Vodafone bietet.

Die Dt. Telekom startet in Kürze erste Stationen in Leipzig, Bonn, Berlin, Darmstadt, Hamburg und München. Tarife und Geräte sind ebenfalls verfügbar (zeigen).

Zu den Ausbauplänen von O2 und 1&1 liegen leider noch keine Informationen vor.

5G Testantenne im Pilotnetz

2. 4G-Ausbau als Grundlage für 5G-Verfügbarkeit

Vielerorts geht es primär noch darum, nötige Grundlagen für den künftigen Ausbau zu legen. Diese sind sowohl technischer wie auch netzpolitischer Natur. Erstere erfolgt durch die Anbindung von immer mehr Mobilfunkstationen mit schnellem Glasfaser. Anderseits wird über den 4G-Ausbau der Weg für 5G bereitet, was zwei Ursachen hat. Voraussetzung für den Erwerb der begehrten 5G-Mobilfunklizenzen (siehe Auktion), war nämlich die Erfüllung diverser Auflagen[1]. Demnach müssen insbesondere Bahnstrecken- und Autobahnen bis 2022 mit wenigstens 100 MBit versorgt werden. Darüber hinaus lassen sich 4G-Funkstationen später relativ einfach mit 5G-Elementen aufrüsten. Daher plant Vodafone noch 2019 22.000 Quadratkilometer mit 4000 Masten neu zu erschließen [2]. Bei O2 sind es sogar 10.000 Masten [3] und die Deutsche Telekom möchte 2000 Stationen neu erschließen[4].

Wir schätzen, dass 5G zunächst in 6-10 größeren Städten ausgerollt wird. Wahrscheinlich Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Darmstadt, München, Stuttgart und Hamburg. Weitere Regionen werden dann sukzessive folgen. Konkrete Pläne dafür haben die Mobilfunker aber noch nicht preisgegeben. 5G im ländlichen Raum halten wir, wie auch viele andere Experten, aus heutiger Sicht für unrealistisch. Zumindest mittelfristig. Mehr dazu unter Punkt 5.

3. Hürden für den Ausbau

Bis Anfang 2019 überschatten noch zahlreiche ungeklärte politische und regulatorische Hindernisse den Startschuss für den 5G-Ausbau in Deutschland. Einige bestehen teils heute noch. Dabei wurden Politiker nicht müde davon zu reden, dass Deutschland eine führende Rolle beim 5G einnehmen sollte. Sogar im Koalitionsvertrag wurde dies festgehalten „Wir forcieren den Ausbau der Mobilfunkversorgung und entwickeln Deutschland zum Leitmarkt für 5G“ [Quelle: 5G-Strategie für Deutschland].

Doch die Realität sah und sieht wie so oft anders aus. Andere Länder waren Anfang 2019 schon bedeutend weiter! Sei Q2/2019 funken erste Netze zudem in den USA sowie Südkorea. Hierzulande wurde zu diesem Zeitpunkt dagegen weiter über Kosten und Regularien debattiert. In der Summe stehen nicht weniger als 5 Hemmnisse für den 5G-Ausbau im Raum, die wir ihnen kurz vorstellen wollen.

3.1 Frequenzen und Frequenzauktion

Bereits im Jahr 2000 nahm der Staat rund 50 Mrd. Euro durch die Versteigerung der UMTS-Frequenzen ein. Für LTE waren es 2010 immerhin noch gut 5 Mrd. Euro, allerdings gab es hier 2015 noch eine weitere Versteigerung mit ähnlichen Ergebnis, so dass sich die Kosten allein für 4G auf gut 10 Mrd. Euro belaufen.

Die ersten für den 5G-Betrieb nötigen Frequenzen wurden in Deutschland im Juni 2019 versteigert und spülten nochmals rund 6,6 Mrd. Euro in die Staatskasse. Geld, was zwar den Staat freut, aber nun den Unternehmen beim Netzausbau fehlt. Frankreich geht z.B. einen anderen Weg und vergibt die Nutzbänder für 5G gegen Auflagen unentgeltlich. Zur Disposition standen zunächst aber nur einige Bänder bei 2 GHz, sowie zwischen 3.4 und 3.8 GHz. Um die anvisierte Leistung von mehreren Gigaherz auszuspielen, bedarf es aber noch weit mehr Nutzbändern. Hier stehen Bereiche im mmWave-Segment über 20 GHz zur Debatte.

3.2 National Roaming

Hierbei handelte es sich um ein von den drei großen Netzbetreibern (Telekom, Vodafone, O2) kritisiertes Konzept, wonach es anderen Anbietern ermöglicht werden soll, Teile der Netzinfrastruktur mit zu nutzen. Art und Umfang sollen von den Unternehmen selbst ausgehandelt werden, mit der Bundesnetzagentur als Schiedsrichter.

Hintergründig ist der Gedanke, dass so zunächst die Verfügbarkeit für Verbraucher steigt, unabhängig vom gewählten Netzprovider. Diese sehen aber durch National Roaming ihre teuren Investitionen in Gefahr. Wenn die Infrastrukturen von anderen einfach mitgenutzt werden können, fehle es an Anreizen für den teuren Ausbau. Gleichzeitig minimiert das Vorhaben der bestehenden Netzbetreiber im ländlichen Raum zu investieren. „Mit dem so genannten National Roaming wollen diese Firmen Zugang zu gleich allen drei Netzen vergünstigt erhalten.“, so Vodafone CEO Hannes Ametsreiter. Mit „diese Firmen“ sind dabei Unternehmen gemeint, welche noch kein Mobilfunknetz besitzen, aber neu in diesen Markt einsteigen wollen – Stichwort United Internet. Immerhin ist dieses Konzept erstmal vom Tisch!

3.3 regionale Spektren

Das nutzbare Frequenzspektrum repräsentiert praktisch die Datenautobahnen, auf denen der „5G-Verkehr“ abgewickelt wird. Je breiter das Spektrum (die Autobahn), desto besser! Doch ¼ der Nutzbänder wird diesmal reserviert für sogenannte regionale Netze. Konkret handelt es sich dabei z.B. um Frequenzen im Bereich 3.700 MHz – 3.800 MHz, welche nur zur lokalen und regionalen Nutzung vorgesehen sind.

Damit könnten zum Beispiel Firmen, wie BMW, lokal firmenspezifische Funknetze zum Eigengebrauch unterhalten. Da es für diese Bereiche keine Auflagen gibt, befürchtete Vodafone z.B. Kirschenpickerei von Drittfirmen, welche mit diesen Bändern dann nur die lukrativsten Städte versorgen. Hier bedarf es noch konkrete Ausschlusskriterien.

3.4 Technologiestreit

Hauwei zähle weltweit lange Zeit zu den beliebtesten und führenden Unternehmen in Sachen 5G-Ausbau. Der chinesische Konzern liefert alles Nötige von Antennen, Routern, Stationen oder Software. Zu den Hauptkonkurrenten zählen Nokia und Ericsson. 2018 begannen aber immer mehr Firmen und Länder weltweit Huawei zu meiden, wegen vermeintlicher, bisher nicht bewiesener, Spionage-Befürchtungen. Die Deutsche Telekom sprach sich daher für eine unabhängige Prüfung aus. Die teils politisch getriebene Diskussion wirkt sich allerdings abermals hemmend für den raschen 5G-Ausbau aus. Das letzte Wort ist hier noch nicht gefallen!

3.5 hohe Kosten

Frequenzauktion, Anbindung der Mobilfunkmasten mit Glasfaser, neue Antennen, neue Standorte – das alles kostet die drei Netzbetreiber hohe Milliardenbeträge. Wahrscheinlich im mittleren, zweistelligen Bereich, verteilt auf wenige Jahre. Sollten sich die beschriebenen Interessenkonflikte noch weiter verschärften, wird es natürlich noch teurer.

Dass der 5G-Ausbau demnach als Preistreiber wirkt, gilt als ausgemachte Sache. Erste 5G-Tarife der Dt. Telekom sind wohl daher auch alles andere als ein Schnäppchen werden. 75-85 € monatlich werden hier fällig, zuzüglich Hardware. Überraschend günstig fallen dagegen die Angebote von Vodafone aus. Mehr dazu hier in unserer 5G-Tarifübersicht.

4. 5G in der Fläche im ländlichen Raum?

5G als DSL-Alternative im ländlichen Raum ist aus mehreren Gründen momentan nicht in Sicht. Zum einen eignen sich die ersten Frequenzbänder überhaupt nicht für den Flächenausbau. Hierfür bräuchte man idealer Weise Bänder unter 1 GHz. LTE auf dem Land wurde nur durch den Einsatz des Bandes 20 bei 800 MHz möglich. Bei 3.5 GHz müsste man aller 1 Kilometer einen neuen Mast errichten, was völlig realitätsfremd wäre. Nur wenn es gelingt für 5G beispielsweise Bänder bei 700 oder 900 MHz einzusetzen, könnte etwas werden mit „5G an jeder Milchkanne“. Zwar bietet Vodafone seine Gigacube-Tarife bereits mit 5G an, doch der Ausbau im ländlichen Raum wird dauern, da zunächst vorrangig die Städte bedient werden...

5. Modellstädte auf dem Weg zu 5G

Die Mobilfunkanbieter hatten bereits lange vor dem offiziellen Start Testnetze für 5G unter realen Praxisbedingungen unterhalten. Städte in denen die Testfelder aufgebaut wurden, sind daher auch von Anfang an mit dabei. Gut 70 Antennen von der Telekom funkten z.B. in Berlin im Umfeld der Stadtteile Berlin Mitte sowie Schönberg. Weitere 18 Antennen waren an 6 Standorten sind in Darmstadt aktiv. Vodafone erprobte 5G ebenfalls am Firmen-Hauptsitz, also Düsseldorf. O2 unterhielt dagegen Testprojekte in Berlin und München. Auch Leipzig, Dresden, Hamburg sowie Stuttgart zählten zu den Pionieren, dank diverser Forschungs- und Modellprojekte.


Tipp: Eine Übersicht der wichtigsten Test-Projekte finden Sie hier auf dieser Karte.

Fazit

Nachdem Deutschland im internationalen Ranking in Punkto Mobilfunk immer mehr zur Lachnummer verkommt, hätte die Politik mit 5G gerne ein Leuchtturmprojekt. Kosten darf dies aber offensichtlich nichts, vielmehr nimmt man gerne die Netzanbieter in die kollektive Pflicht. Deren legitimes Interesse Geld zu verdienen, vereinen sich wiederum nur bedingt nach der Forderung eines flächendeckenden 5G-Netzes mit bezahlbaren Tarifen und hohen Datenvolumina. Vor diesem Hintergrund, so fürchten wir, wird sich mittelfristig der Abstand Deutschlands zu anderen Nationen nur noch weiter  vergrößern. Immerhin funken seit Sommer 2019 erste 5G-Stationen. Bis zu einer Ausbauquote über 20 Prozent, dürfte es aber mindestens bis Ende 2020 dauern.

Und unsere Nachbarn?

Mehr zum 5G in unserem Nachbarland Österreich hier.

sonstige Quellen:
[1] Bericht Bundesnetzagentur
[2] Vodafone
[3] Blog O2 Telefonica
[4] Pressemeldung Dt. Telekom