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5G Ausbau

Probleme, Hürden und erste Regionen


Bereits in einem Jahr soll es soweit sein und die 5. Mobilfunkgeneration in Deutschlands erstmals für Endkunden ans Netz gehen. Doch wie realistisch ist das? Wo läuft der 5G-Ausbau bereits und in welchen Regionen wird dieser zu Beginn priorisiert? Alles zum aktuellen Stand, den Plänen und Problemen haben wir für Sie hier zusammengefasst.

1. aktueller Stand zum 5G-Ausbau

Auch 2019 beschränkt sich der 5G-Ausbau zunächst noch auf wenige Modellregionen. So unterhält die Deutsche Telekom in Berlin eines der zurzeit größten Testnetze für 5G unter realen Praxisbedingungen. Gut 70 Antennen funken in Berlin bereits im Umfeld der Stadtteile Berlin Mitte sowie Schönberg. Weitere 18 Antennen an 6 Standorten sind in Darmstadt aktiv. Vodafone erprobt 5G ebenfalls am Firmen-Hauptsitz, also Düsseldorf. Zudem soll Frankfurt künftig zu den ersten Städten mit Vodafone 5G-Netz zählen. O2 unterhält dagegen Testprojekte in Berlin und München. Auch Leipzig, Dresden, Hamburg sowie Stuttgard zählen zu den Pionieren dank diverser Forschungs- und Modellprojekte.

5G Testantenne im Pilotnetz

2. 4G-Ausbau als Grundlage für 5G-Verfügbarkeit

Momenten geht es primär noch darum, nötige Grundlagen für den künftigen Ausbau zu legen. Diese sind sowohl technischer wie auch netzpolitischer Natur. Erstere erfolgt durch die Anbindung von immer mehr Mobilfunkstationen mit schnellem Glasfaser. Anderseits wird über den 4G-Ausbau der Weg für 5G bereitet, was zwei Ursachen hat. Voraussetzung für den Erwerb der begehrten 5G-Mobilfunklizenzen, ist nämlich die Erfüllung diverser Auflagen[1]. Demnach müssen insbesondere Bahnstrecken- und Autobahnen bis 2022 mit wenigstens 100 MBit versorgt werden. Darüber hinaus lassen sich 4G-Funkstationen später relativ einfach mit 5G-Elementen aufrüsten. Daher plant Vodafone noch 2019 22.000 Quadratkilometer mit 4000 Masten neu zu erschließen [2]. Bei O2 sind es sogar 10.000 Masten [3] und die Deutsche Telekom möchte 2000 Stationen neu erschließen[4].

Tipp: Eine Übersicht der wichtigsten Test-Projekte finden Sie hier auf dieser Karte.

3. Welche Regionen bekommen als erstes 5G?

Wir schätzen, dass 5G zunächst in 6-10 größeren Städten ausgerollt wird. Wahrscheinlich Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Darmstadt, München, Stuttgart und Hamburg. Weitere Regionen werden dann sukzessive folgen. Konkrete Pläne dafür haben die Mobilfunker aber noch nicht preisgegeben. 5G im ländlichen Raum halten wir, wie auch viele andere Experten, aus heutiger Sicht für unrealistisch. Zumindest mittelfristig. Mehr dazu unter Punkt 5.

4. Hürden für den Ausbau

Zurzeit überschatten leider noch zahlreiche ungeklärte politische und regulatorische Hindernisse den Startschuss für den 5G-Ausbau in Deutschland. Dabei werden Politiker nicht müde davon zu reden, dass Deutschland eine führende Rolle beim 5G einnehmen soll. Sogar im Koalitionsvertrag ist dies festgehalten „Wir forcieren den Ausbau der Mobilfunkversorgung und entwickeln Deutschland zum Leitmarkt für 5G“ [Quelle: 5G-Strategie für Deutschland].

Doch die Realität sieht wie so oft anders aus. Andere Länder sind schon bedeutend weiter! In Finnland und Estland hat der Provider Elisa Anfang Januar 2019 die 5G-Auktion bereits hinter sich gebracht und will noch 2019 einer der weltweit ersten Netze in Betrieb nehmen. Sei Q2/2019 funken erste Netze zudem in den USA sowie Südkorea. Hierzulande wurde zu diesem Zeitpunkt dagegen weiter über Kosten und Regularien debattiert. In der Summe stehen nicht weniger als 5 Hemmnisse für den 5G-Ausbau im Raum, die wir ihnen kurz vorstellen wollen.

4.1 Frequenzen und Frequenzauktion

Bereits im Jahr 2000 nahm der Staat rund 50 Mrd. Euro durch die Versteigerung der UMTS-Frequenzen ein. Für LTE waren es 2010 immerhin noch gut 5 Mrd. Euro, allerdings gab es hier 2015 noch eine weitere mit ähnlichen Ergebnis, so dass sich die Kosten auf gut 10 Mrd. Euro belaufen. Geld, was zwar den Staat freut, aber später den Unternehmen beim Netzausbau fehlt. Frankreich geht z.B. einen anderen Weg und vergibt die Nutzbänder für 5G gegen Auflagen unentgeltlich. Zur Disposition stehen zunächst aber nur einige Bänder zwischen 3.4 und 3.8 GHz. Wir rechnen mit 3-5 Mrd. Euro als Erlös.

4.2 National Roaming

Hierbei handelt es sich um ein von den drei großen Netzbetreibern (Telekom, Vodafone, O2) kritisiertes Konzept, wonach es anderen Anbietern ermöglicht werden soll, Teile der Netzinfrastruktur mit zu nutzen. Art und Umfang sollen von den Unternehmen selbst ausgehandelt werden, mit der Bundesnetzagentur als Schiedsrichter.

Hintergründig ist der Gedanke, dass so zunächst die Verfügbarkeit für Verbraucher steigt, unabhängig vom gewählten Netzprovider. Diese sehen aber durch National Roaming ihre teuren Investitionen in Gefahr. Wenn die Infrastrukturen von anderen einfach mitgenutzt werden können, fehle es an Anreizen für den teuren Ausbau. Gleichzeitig minimiert das Vorhaben der bestehenden Netzbetreiber im ländlichen Raum zu investieren. „Mit dem so genannten National Roaming wollen diese Firmen Zugang zu gleich allen drei Netzen vergünstigt erhalten.“, so Vodafone CEO Hannes Ametsreiter. Mit „diese Firmen“ sind dabei Unternehmen gemeint, welche noch kein Mobilfunknetz besitzen, aber neu in diesen Markt einsteigen wollen – Stichwort United Internet.

4.3 regionale Spektren

Das nutzbare Frequenzspektrum repräsentiert praktisch die Datenautobahnen, auf denen künftig der „5G-Verkehr“ abgewickelt wird. Je breiter das Spektrum (die Autobahn), desto besser! Doch ¼ der Nutzbänder soll diesmal reserviert werden für sogenannte regionale Netze. Konkret handelt es sich dabei z.B. um Frequenzen im Bereich 3.700 MHz – 3.800 MHz, welche zur lokalen und regionalen Nutzung reserviert wurden.

Damit könnten Firmen, wie BMW, lokal firmeneigene Funknetze zum Eigengebrauch unterhalten. Da es für diese Bereiche keine Auflagen gibt, befürchtet Vodafone z.B. Kirschenpickerei von Drittfirmen, welche mit diesen Bändern dann nur die lukrativsten Städte versorgen. Hier bedarf es noch konkrete Ausschlusskriterien.

4.4 Technologiestreit

Hauwei zähle weltweit lange Zeit zu den beliebtesten und führenden Unternehmen in Sachen 5G-Ausbau. Der chinesische Konzern liefert alles Nötige von Antennen, Routern, Stationen oder Software. Zu den Hauptkonkurrenten zählen Nokia und Ericsson. 2018 begannen aber immer mehr Firmen und Länder weltweit Huawei zu meiden, wegen vermeintlicher, bisher nicht bewiesener, Spionage-Befürchtungen. Die Deutsche Telekom sprach sich daher für eine unabhängige Prüfung aus. Die teils politisch getriebene Diskussion wirkt sich allerdings abermals hemmend für den raschen 5G-Ausbau aus.

4.5 hohe Kosten

Frequenzauktion, Anbindung der Mobilfunkmasten mit Glasfaser, neue Antennen, neue Standorte – das alles kostet die drei Netzbetreiber hohe Milliardenbeträge- wahrscheinlich im mittleren, zweistelligen Bereich - verteilt auf wenige Jahre. Sollten sich die beschriebenen Interessenkonflikte noch weiter verschärften, wird es natürlich noch teurer.

Dass der 5G-Ausbau demnach als Preistreiber wirkt, gilt als ausgemachte Sache. Erste 5G-Tarife dürften daher, wie schon zur Einführung von LTE, alles andere als ein Schnäppchen werden. 60-80 € monatlich dürften es wohl mindestens sein.

5. 5G in der Fläche im ländlichen Raum?

5G als DSL-Alternative im ländlichen Raum ist aus mehreren Gründen momentan nicht in Sicht. Zum einen eignen sich die ersten Frequenzbänder überhaupt nicht für den Flächenausbau. Hierfür bräuchte man idealer Weise Bänder unter 1 GHz. LTE auf dem Land wurde nur durch den Einsatz des Bandes 20 bei 800 MHz möglich. Bei 3.5 GHz müsste man aller 1 Kilometer einen neuen Mast errichten, was völlig realitätsfremd wäre. Nur wenn es gelingt für 5G beispielsweise Bänder bei 700 oder 900 MHz einzusetzen, könnte etwas werden mit „5G an jeder Milchkanne“.

Fazit

Noch streitet man sich in Deutschland ums Kleinklein. Nachdem Deutschland im internationalen Ranking in Punkto Mobilfunk immer mehr zur Lachnummer verkommt, hätte die Politik mit 5G gerne ein Leuchtturmprojekt. Kosten darf dies aber offensichtlich nichts, vielmehr nimmt man gerne die Netzanbieter in die kollektive Pflicht. Deren legitimes Interesse Geld zu verdienen, vereinen sich wiederum nur bedingt nach der Forderung eines flächendeckenden 5G-Netzes mit bezahlbaren Tarifen und hohen Datenvolumina. Vor diesem Hintergrund, so fürchten wir, wird sich mittelfristig der Abstand Deutschlands zu anderen Nationen nur noch weiter  vergrößern.

Und unsere Nachbarn?

Mehr zum 5G in unserem Nachbarland Österreich hier.

sonstige Quellen:
[1] Bericht Bundesnetzagentur
[2] Vodafone
[3] Blog O2 Telefonica
[4] Pressemeldung Dt. Telekom