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Spezial: 5G als DSL-Ersatz für Gigabit Internet

Taugt 5G zur Versorgung des ländlichen Raumes mit schnellem Internet?


Die LTE-Nachfolgetechnik soll bereits ab 2020 mobiles Internet geradezu revolutionieren. Extrem hohe Datenraten, Latenzzeiten um die 1 ms und nahezu endlose Anwendungsmöglichkeiten verspricht die Industrie. Doch wird 5G womöglich wieder den ohnehin gut versorgten Städten vorbehalten bleiben oder eignet sich die Funktechnik, um endlich auch aufs Land Gigabit-Internet zu bringen?

5G-Router bald daheim? | Symbolbild 5G-Anbieter.info

Gigabit Internet für Zuhause per 5G?

Ganz abwegig ist der Gedanke natürlich nicht. Schließlich liefert seit Jahren schon der Vorgänger 4G (LTE) auch flotte, stationäre Breitbandzugänge in fast jeden Winkel des Landes. Zwar meist volumenbegrenzt, aber als Brückentechnik spielt LTE eine elementare Rolle in der Versorgung mit Highspeed-Internet. Vodafone, Deutsche Telekom, O2 sowie congstar bieten spezielle Heim-Tarife per 4G mit Datenraten bis 200 MBit. Daher liegt der Gedanke nahe, 5G könne in naher Zukunft ebenfalls als DSL-Alternative eingesetzt werden und so auch Gigabit bis ins hinterste Dorf liefern. Leider sprechen aus heutiger Sicht (Ende 2018) noch viele Argumente dafür, dass aus diesem Wunschszenario zumindest mittelfristig nichts wird. Mehrere Hindernisse sprechen gegen 5G als DSL-Alternative:

Hindernis 1)

Zur Einführung von LTE wurden die Mobilfunkprovider, welche sich an der Versteigerung der Funkfrequenzen beteiligten, mit Auflagen belegt. Derart, zunächst eine den ländlichen Raum mit einer bestimmten Quote zu versorgen, bevor es in die lukrativen Cityareale geht. Diese Vorgaben fehlen bislang, obwohl die Versteigerung schon für Anfang 2019 anberaumt ist. Ohne Pflichtausbau, werden Vodafone, Telekom und O2 zunächst die Filetstücke mit 5G versorgen, also alle Großstädte.

Hindernis 2)

Das zweite Hindernis betrifft die anvisierten Nutzfrequenzen. LTE auf dem Land konnte nur ein Erfolg werden, da hierfür ein Band mit weitreichenden Frequenzen bei 800 MHz zur Verfügung stand (damals die Digitale Dividende). Aktuell kommt dafür nur ein Bereich bei 700 MHz in Frage. Ansonsten stehen für den 5G-Betrieb momentan lediglich Bänder bei 2 und 3.6 GHz zur Disposition. Diese sind gänzlich ungeeignet, um in der Fläche Internet per Funk auszubauen, da die Zellreichweite hier deutlich unter 1 km liegt, während sich mit 800 oder 700 MHz auch Areale von 10-15 km ausleuchten lassen.



Hindernis 3)

Einer der wichtigsten Stolpersteine für 5G im ländlichen Raum dürfte aber die hierzulande unzureichende Glasfaserversorgung sein. Die Infrastruktur mit Fiber hat in Deutschland leider noch Entwicklungslandcharakter. Ohne eine performante Anbindung aller Mobilfunkmasten mit Glasfaser ans Kernnetz, nützt nur leider die beste Funktechnik nichts. Denn die anfallenden Daten müssen schließlich vom Mast auch weitergeleitet werden. Erst eine Beschleunigung des Glasfaserausbaus geht daher einher mit leistungsstarker 5G-Versorgung in der Fläche. Ein Faktum, das auch das Gigabit-Symposiums im Jahr 2018 noch einmal klarstellte.

Hindernis 4)

Wie so oft im Leben, sprechen auch die zu erwartenden Kosten zunächst gegen eine rasche Verbreitung von 5G außerhalb der Städte. Wahrscheinlich werden sich die Mobilfunkprovider für Lizenzen wieder mehrere Milliarden Euro auf den Tisch legen müssen. Die Anbindung weniger hundert Kunden mit teuren Aufrüstungen an den Funkmasten wird sich lange Zeit kaum lohnen.

Wie sehen das Experten?

Auch Fachleute aus Politik und Wirtschaft sehen flächendeckendes 5G eher skeptisch. „Das einfache Versprechen, flächendeckend 5G – überall, für alle – ist auf Sicht weder bedarfsgerecht, noch realistisch zu finanzieren“, so Prof. Dr. Helge Braun, der Chef des Bundeskanzleramts,  auf dem UdL Digital Talk im Telefónica BASECAMP in Berlin im September 2018. Auch die Deutsche Telekom selbst äußerte auf dem Portal LTE-Anbieter.info zunächst andere Pläne. So stehe "... [z]um Start der kommerziellen Einführung von 5G 2020 ... der urbane Raum im Vordergrund ...".

Hoffnungsträger 5G Fixed Wireless Access

Es gibt allerdings auch kleine Hoffnungsschimmer, dass man den Traum vom superschnellen Internet für alle via 5G nicht ganz begraben muss. Bereits Mitte 2018 testeten O2 und Samsung zusammen sogenannte „5G Fixed Wireless Access“–Zugänge (FWA) in Deutschland. Spezielle Hard- und Software sollen dabei Gigabit-Datenraten über die sogenannte „letzte Meile“ ermöglichen. Damit könnten Haushalte auch ohne teure Glasfaserkabel kostengünstig angebunden werden. Erste Praxistests sollen noch 2018 zeigen, ob die Technik Potenzial für einen Massenrollout besitzt.


Unser Fazit

Bis auf wenige Test- und Modellregionen, erwarten wir in den Anfangsjahren nach dem 5G-Rollout zunächst keine nennenswerten Erfolge bei der Versorgung prekärer Regionen mit Breitband via 5G. Vielmehr könnte LTE weiter als Grundlage an Bedeutung gewinnen. Die Angebote und Tarife werden nicht nur zahlreicher, sondern auch immer besser. Ohnehin schlummert beim LTE-Funk noch viel Potenzial, auch für Anschlüsse mit über 1 GBit. Wichtig ist nur, dass die Anbieter weiter an der Schraube für das enthaltene Datenvolumen drehen. Tarife mit 200 GB, wie Vodafones Gigacube, sind z.B. schon ein guter Anfang.