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5G Frequenzen

Welche Bänder sollen für 5G genutzt werden?


Das weltweit generierte Datenaufkommen in den mobilen Funknetzen wächst seit Jahren stetig, teils um 50 Prozent per annum. Maßgeblich befeuert durch mobile Videostreaming-Dienste. Bereits in 2022 erwarten Experten zudem 20-30 Milliarden vernetzte Endgeräte – Stichwort Internet of Things (IoT). Um dieser anschwellenden Traffic-Flut Herr zu werden, setzten die Mobilfunkprovider weltweit enorme Hoffnung auf den LTE-Nachfolger „5G“. Doch wie schon bei 4G/LTE, benötigt man für den Betrieb von Funknetzen in erster Linie freie Frequenzbänder. Jene sind jedoch global immer Mangelware. Wir zeigen, welche Frequenzbereiche für 5G nach aktuellen Planungen zur Disposition stehen und auf welche Bandbereichen wahrscheinlich bald gefunkt wird.

5G-Antenne im Testnetz

5G-Antenne der Deutschen Telekom | Bild: 5G-Anbieter.info


Mangelware Funkspektrum

Hierzulande werden für die aktuelle 4G-Mobilfunktechnik vor allem Frequenzbereiche bei 800, 1800 und 2600 MHz genutzt. Jeder Mobilfunkprovider, also Deutsche Telekom, O2 und Vodafone, haben bei zwei Auktionen in den letzten Jahren mehrere Spektralbereiche zum Betrieb von LTE ersteigert. Im Segment von 800 MHz kann die Telekom zum Beispiel den Bereich 811-821 MHz für den Downstream und 852-862 MHz für den Upstream nutzen. Dabei steht demnach ein Band mit einer Breite von je 10 MHz zur Verfügung. Diese Bandbreite kann man sich vereinfacht als Datenautobahn vorstellen. Je breiter, desto mehr Daten können je Zeiteinheit übermittelt werden.

Da sich der Mobilfunk aber das begrenzte elektromagnetische Spektrum mit anderen Techniken teilen muss, sind freie Frequenzen knappe Güter. Beispielhaft sei hier das terrestrische Fernsehen DVBT-2 und der Polizeifunk genannt. Insgesamt haben alleine die Deutschen Mobilfunker daher 2010 (4.4 Mrd.) und 2015 (5 Mrd.) fast 10 Mrd. Euro an Lizenzgebühren gezahlt. Und auch für neue 5G-Ressourcen werden im Zuge der Versteigerung 2019 vom Bund Einnahmen im Milliardenbereich erwartet. Insgesamt steht den deutschen Mobilfunkbetreibern heute aber bereits ein Spektrum im Umfang von zusammen 1000 MHz zur Verfügung. Für 5G braucht es aber neue "Datenautobahnen", insbesondere für anvisierte Spitzengeschwindigkeiten von 10-20 GBit.

Fläche vs. Performance

Nicht jeder Frequenzabschnitt eignet sich für jedwedes Szenario. Für eine Versorgung in der Fläche eignen sich, physikalisch bedingt, nur langwellige Bereiche. Also Bänder auf niedrigeren Frequenzen. Für den 5G-Ausbau im ländlichen Raum wäre beispielsweise der noch ungenutzte Bereich bei 700 MHz ideal. Im Zuge des LTE-Ausbaus kam vornehmlich 800 MHz zum Einsatz. Außerhalb der Städte spielt weniger die Performance eine entscheidende Rolle, sondern der Aspekt Abdeckung.

Mit steigender Frequenz, sinkt hingegen die Reichweite. Dafür bieten diese Funkbereiche mehr Bandbreite und damit steigt auch die erzielbare Datenübertragungsrate. Hochperformante 5G-Netz mit 10 oder 20 GBit wären ohnehin nur mit Kanalbandbreiten ab 100 MHz oder höher zu bewältigen. Die dafür im Raum stehenden Bänder liegen im Bereich von 24-86 GHz. Derartigen Frequenzbereiche würden aber auch extrem engmaschige Netze bedingen, welche sich nur im städtischen Raum realisieren lassen. Hier sprechen wir von wenigen hundert Metern, so dass Mini-Funkmasten, z.B. an Straßenlaternen nötig wären. Entsprechende Pläne existieren aber bereits. Es besteht daher stets eine Tradeoff-Situation zwischen Reichweite und Geschwindigkeit.

Nutzfrequenzen für 5G gesucht: „Niedrige“ und „Hohe“ 5G-Bänder

Wie bereits in der Einleitung gezeigt, mangelt es aktuell tendenziell an möglichen Betriebsressourcen für einen neuen Mobilfunkstandard. Da im „unteren“ Frequenzbereich die meisten in Frage kommenden Bänder schon belegt sind (z.B. für LTE), gibt es zwei Möglichkeiten. Einerseits können nicht mehr benötigte Bereiche für den 5G-Betrieb freigegeben und umdisponiert werden. Zu nennen ist hier in erster Linie das veraltete 2G (EDGE, GSM) oder aber sogar 3G (UMTS). Schon 2017 verlautbarte die Deutsche Telekom, man plane wahrscheinlich ab 2020 (anvisierter Start für 5G) die Einstellung von 3G. In anderen Staaten, wie Australien, ist 2G sogar schon Geschichte. Einige Nutzlizenzen laufen jedoch noch bis 2025...

Eine andere Möglichkeit neue Ressourcen für den 5G-Mobilfunk zu finden liegt darin, höhere Frequenzen zu bewirtschaften als momentan üblich. Aktuell ist weltweit meist bei 3 GHz Schluss. 5G soll daher in frühen Entwicklungsstufen, ca. ab 2020, in Bereichen von 2 bis 5 GHz eingesetzt werden. Eine elementare Rolle für die Einführung von 5G spielt dabei der Frequenzbereich von 3.4 bis 3,8 GHz. Zur Versteigerung im Frühjahr 2019 stehen zudem Bänder bei 2 GHz zur Disposition. Genauer gesagt 2 x 60 MHz bei 1.920 MHz bis 1.980 MHz sowie 2.110 MHz – 2.170 MHz. Zudem noch 300 MHz bei 3.400 MHz bis 3.700 MHz.[1]

Des weiteren gibt es Pläne, später weit höhere Spektralbereiche für die 5G-Nutzung freizugeben. Die Weltfunkkonferenz hat 2015 Bänder im Bereich von 24 bis 86 GHz vorgeschlagen. Bis 2019 sollen mittels Studien und Tests Bereiche identifiziert werden, welche zur Nutzung von 5G in Zukunft geeignet wären. Europa (CEPT) konnte sich indes bereits auf zwei konkrete Pionierbereiche für den 5G-Betrieb einigen - zumindest deren Untersuchung. Dabei handelt es sich um die Spektralbänder von 24,25 bis 27,5 und 31,8 bis 33,4 GHz. Die Radio Spectrum Policy Group strebt übrigens ersteres an.

Bänder 5G vs. LTE

Pläne für 5G-Frequenzen

Die GSA hat bereits konkrete Vorstellungen, welche Bänder im Bereich von 3.3 – 5 GHz genutzt werden könnten. Je nach Kontinent und Region, soll der Fokus aber auf verschiedenen Spektren liegen. Hier die Pläne für Low-Frequency Zellen:

    Bänder < 6 GHz:
  • Europa: 3400 – 3800 MHz
  • USA: 3100 – 3550 MHz + 3700 – 4200 MHz
  • Japan: 3600 – 4200 MHz sowie 4400 – 4900 MHz
  • China: 3300 – 3600 MHz sowie 4400 – 4500 + 4800 – 4990 MHz

Spätestens bei 4990 MHz ist jedoch Schluss, da hier das Betriebsband für WLAN bei 5 GHz anfängt. Auch wenn es bereits Überlegung für einen überlappenden Betrieb mit LTE gibt, wird dieses Spektrum erstmal ausgeklammert um den Wifi-Betrieb nicht zu stören.


Für höhere Bänder gibt es wie schon angedeutet Vorüberlegungen und frühe Experimente. Die USA etwa planen Tests mit 5G-Internet momentan auf 28 und 38 GHz. Hier ein kleiner Überblick:

    Bänder > 6 GHz:
  • Europa: 24.25 – 27.5 GHz | 31.8 - 33.4
  • USA: 27.5 - 28.35 + 37 - 40 GHz für erste 5G-Tests
  • Japan: 27.5 – 28.28 GHz für erste Tests
  • Schweden: 26.5 – 27.5 GHz für Lizenztests

Fazit

Noch steht nicht fest, welche Frequenzbereiche zum Start der ersten 5G-Netze genutzt werden. Wie schon bei LTE, wird es aber weltweit erneut größere Unterschiede geben, was die Hardwarehersteller erneut fordern dürfte. Wir erwarten für Deutschland für den Start die Nutzung einiger Bänder bei 2-4 GHz, sowie die Freimachung nicht mehr genutzter Bereiche älterer Funkstandards. Durch Carrier Aggregation, lassen sich dann mehrere Bereiche zu einem Nutzband vereinen. Diese Technik kommt heute bereits bei LTE ab Kategorie 6 (LTE-Advanced) zum Einsatz und ist elementarer Bestandteil des 5G-Standards.


Quellen:
[1] Bundesnetzagentur
GSA - https://gsacom.com/5g-spectrum-bands
Frequenzkompass der Bundesnetzagentur