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5G langsamer als 4G - wie kann das sein?

Alle möglichen Gründe warum 5G nicht schnell genug ist


5G ist immer deutlich schneller als das alte 4G/LTE! Dies ist leider ein Irrglaube und grundlegend falsch. Allein der genutzte Mobilfunkstandard sagt per se noch nichts über die erzielbare Datenübertragungsrate in MBit/s aus. Manchmal ist 5G sogar deutlich langsamer als LTE! Warum das so ist, zeigen wir folgend.

5G viel langsamer als gedacht - der Ratgeber

Warum 5G langsamer als LTE sein kann...

Es gibt insgesamt gleich 3 Faktoren die dazu führen können, dass aus einem vermeintlich superschnellen Datenturbo eine lahme Ente wird. Los geht’s!

1. möglicher Grund: der Tarif ist limitiert bei der Datenrate

Die Mobilfunkanbieter können frei darüber bestimmen, wie schnell ein bestimmter Tarif in ihrem Angebot ist. Selbst wenn z.B. das Telekom LTE-Netz bis zu 300 MBit/s erlaubt, schickt die Telekomtochter congstar ihre Nutzer nur mit maximal 50 MBit ins Netz.

Ob auf die technisch im Netz gerade mögliche Datenrate also überhaupt zugegriffen werden kann, entscheidet also der Anbieter. Bestes Beispiel für 5G sind die O2 Free Tarife. O2 bietet hier zwei günstige Varianten ohne Volumenlimitierung namens „Free Unlimited Basic und Smart“. Für beide ist 5G inklusive, doch die maximale Übertragungsrate ist auf magere 2 MBit/s (Basic) bzw. 10 MBit/s (Smart) limitiert. Nur im Premiumtarif „Max“ gibt’s die maximalen 500 MBit/s.


2. möglicher Grund: „Schummel 5G“ und DSS

Hier liegt aber die wichtigste Ursache überhaupt. Diese greift, selbst wenn man einen sehr teuren Telekom- oder Vodafone-Tarif nutzt. Erklären lässt sich das allerdings nur, wenn wir kurz einen Ausflug in die Welt der 5G-Technik machen. Es gibt nämlich leider nicht „das 5G“, sondern viele mögliche Arten des Netzdesigns wenn man so will.

Um in den Anfangsjahren den 5G-Ausbau besonders schnell vorantreiben zu können, griffen die Mobilfunkanbieter hierzulande auf einen Trick zurück. Für ein neues Mobilfunknetz, wie 5G, muss man eigentlich fast alle Netzkomponenten neu aufbauen, was sehr teuer ist und Zeit kostet. Neue Antennen an die Masten, neues Kernnetz und Rechenzentren, Glasfaseranbindung und vieles mehr. Stattdessen wurde aber 5G zunächst auf LTE „huckepack“ aufgesetzt. Dabei kann das gleiche Kernnetz genutzt werden. Fachleute sprechen dann von 5G non standalone. Dank dem Dynamic Spectrum Sharing (DSS) sogar dieselben Frequenzen! 4G und 5G teilen sich dann ein bestimmtes Spektrum. Der Vorteil für Provider wie Vodafone und Telekom: Die Verbreitung ging extrem einfach und schnell voran. So benötigten die Mobilfunkmasten lediglich ein Softwareupdate. Die Kehrseite zum raschen Ausbau ist aber die deutlich schwächere Performance und sogar ein höherer Akkuverbrauch. Gerade im ländlichen Raum, wo 5G meist nur auf dem reichweitenstarken 700 MHz Band ausgebaut wird, beträgt daher die mögliche Geschwindigkeit per 5G kaum mehr als 200 MBit/s.

Aber auch in den Städten sieht es teils nicht besser aus. So hatten wir bei Hardwaretests schon den Fall, dass ein Speedtest bei Vodafone über 4G über 100 MBit/s schneller war als direkt per 5G. Dafür kann es wiederum viele Gründe geben. Der wahrscheinlichste ist: Über 4G steht manchmal (noch) ein breiteres Spektrum für Kanalbündelung (Carrier Aggregation) zur Verfügung als über 5G. Wenn z.B. gerade über LTE 60 MHz möglich sind und bei 5G nur 10 MHz, verliert 5G das Rennen garantiert! Erst wenn die Mobilfunkern in Zukunft noch mehr Frequenzbereiche für 5G nutzen können, dürfte das Problem der Vergangenheit angehören.

5G- und LTE-Antenne auf dem Dach

Wirklich spür- und messbar schneller ist 5G meist nur wenn man über einen Antennenmast auf 3.6 GHz angebunden ist – in der Regel in Großstädten. Dann steht nämlich ein recht breites Spektrum zur Verfügung und 1 bis 1,5 GBit/s sind auch mit non-standalone realistisch.

3. Grund: Überlastung des Mobilfunkmastes

Es gibt noch einen recht profanen Grund, warum man trotz superschnellem Tarif und modernem Smartphone mitunter kaum 100 MBit/s erreicht. Selbst wenn man auf 3.6 GHz oder mit standalone unterwegs ist…

Denn bei Mobilfunkfunk handelt es sich immer um ein „Shared Medium“. Man teilt sich also die Ressourcen mit allen anderen Nutzern in der Funkzelle. Vor allem in den Abendstunden, wenn alle zuhause sind, kann es daher schnell eng werden. Oder bei Massenansammlungen – wie Markttagen in der Stadt oder in der Umgebung großer Einkaufszentren am Wochenende. Dann gehen die Datenraten schnell die Knie. Den „Beweis“ bringt dann die Gegenprobe. Machen Sie einen Speedtests z.B. früh um 6 Uhr oder sehr spät abends. Sollte die gemessene Geschwindigkeit dann deutlich höher liegen, ist die Sachlage klar.

Wann wird 5G richtig schnell?

Wie schon angedeutet sind heute schon über 1 GBit/s möglich bei Verbindungen auf 3.6 GHz. Leider erkennt man das am Smartphone nicht direkt mit welchem Band man verbunden ist. Lediglich in der 5G-Fritzbox oder mit gerooteten Handys (per App) ist die Info einsehbar. Ein Speedtest gibt natürlich auch einen möglichen Hinweis.

FritzBox auf 3.5-3.6 GHz Band


Der ursprünglich erwartete 5G-Turbo wird langfristig durch zwei Änderungen möglich. Einmal (ganz wichtig) die Umstellung der Netze von non-standalone auf „richtiges 5G“, also 5G-standalone. Seit Anfang 2022 tut sich da langsam etwas. Den Anfang machte Vodafone und nennt dass dann 5G+. Auch die Telekom und O2 arbeiten daran und werden nach und nach Standorte ergänzen und umrüsten. Bis alles standalone ist, dürften noch Jahre vergehen. Wir schätzen, dass der flächendeckende Ausbau nicht vor 2026 beendet ist.

Ein weiterer Speed-Booster wird durch die geplante Einführung vom neuen Bändern im Millimeterwellenbereich (mmWave) erwartet. Dann könnten problemlos 5-10 GBit/s machbar sein. Leider zu dem Preis, dass es deutlich mehr Funkmasten oder Small Cells braucht…


Geschwindigkeit selbst messen

Wer selbst nachprüfen will, wie hoch die aktuelle Übertragungsrate, kann hier kostenlos einen Speedtest durchführen.

Weiterführendes

» Wie gering ist der Ping bei 5G?
» Wie schnell kann 5G sein?
» Braucht 5G mehr oder weniger Akku-Leistung?