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Qualcomm Snapdragon

Alle Qualcomm Snapdragon-Chipsätze mit 5G im Überblick


Qualcomm ist mit seiner Snapdragon-Reihe der Marktführer unter den Herstellern von Smartphone-Chipsätzen. In den allermeisten Android-Handys sitzt einer der Snapdragon-Chips des Unternehmens aus Kalifornien in den USA, das im Jahr 1985 gegründet wurde.

Die SoCs der Snapdragon-Reihe unterstützen seit vielen Generationen LTE. Mittlerweile stellt der Marktführer aber auch schon diverse Chips mit Unterstützung des neuen Mobilfunkstandard 5G bereit. Wir stellen die einzelnen SoCs mit 5G-Support im Detail vor und geben zudem Ausblick auf einige noch nicht veröffentlichte, aber bereits angekündigte Chips.

Bild: Qualcomm

Snapdragon 855

Nachdem das Unternehmen mit der damals aktuellen Generation hinsichtlich der Performance vom Apple Bionic A12 und dem Kirin 980 Prozessor übertroffen wurde, holte Qualcomm im Dezember 2018 auf der eigenen Hausmesse Snapdragon Summit zum großen Gegenschlag aus. Es präsentierte für 2019 den neuen Top-SoC Snapdragon 855.

Der eigentlich als Snapdragon 8150 erwartete und firmenintern auch noch SM8150 genannte Snapdragon 855, bringt nicht nur deutlich mehr Leistung als die Vorgängergeneration, wie es eigentlich bei einem Upgrade zu erwarten war. Sondern es war auch der erste Sprössling von Qualcomm mit Unterstützung des neuen Mobilfunkstandards 5G. Die vorherigen Modelle mussten sich bislang mit der Vorgängergeneration 4G/LTE zufriedengeben.


Snapdragon 855 mit 5G-Modem

Snapdragon 855 mit 5G | Bild: Qualcomm


Für 5G wird das Non-Standalone X50 Modem verwendet. Dieses ist aber nicht nativ auf dem Snapdragon 855 untergerbacht, sondern wird als externer Chip in entsprechenden Geräten mit 5G-Unterstützung verbaut. Das bedeutet, dass ein Smartphone mit dem Snapdragon 855 nicht zwingend auch den 5G-Standard unterstützt. Denn es muss eben auch das X50 5G-Modem darin verbaut sein. Ist dies der Fall, unterstützt der neue Snapdragon 855 samt X50 über vier QTM052 Antennen Übertragungsraten von bis zu 5 Gbit/s im Download. Voraussetzung ist, dass entsprechende Funkstationen in der Nähe sind. Supported werden die beiden Frequenzbereiche mmWave und Sub-6 GHz.



Sollte keine 5G-Verbindung möglich sein, kommt alternativ 4G/LTE zum Einsatz. Auch hier lag Qualcomm zu diesem Zeitpunkt mit dem Snapdragon 855 wieder vor der Konkurrenz, unterstützt das auf dem Chip verbaute X24-Modem doch Gigabit-LTE und CAT 20. Dies ermöglicht Downloadraten von bis zu 2.000 Mbit/s. Die maximale Geschwindigkeit im Upload liegt bei 300 Mbit/s. Ebenfalls Zugewinne im Vergleich zur Vorgängergeneration Snapdragon 845 gibt es beim WLAN. Hier kommt statt bis zu 802.11ad nun auch 802.11ay zum Einsatz. Dies ermöglicht bei ausreichend Antennen in der Theorie Geschwindigkeiten bis zu 40 Gbit/s. Möglich macht dies die Ausnutzung extrem großer Spektren bei 60 GHz. Maximal vier Kanäle zu je 2,16 GHz werden hierfür zusammengeschaltet.

Natürlich hat der Snapdragon aber nicht nur viel hinsichtlich der Funkverbindungen zu bieten. Auch die Rechenleistung hat ordentlich zugelegt. Hierfür hat sich Qualcomm von dem Big-Little Prinzip der Vergangenheit verabschiedet, setzt stattdessen nun auf drei anstatt zuvor zwei CPU-Cluster. Für rechenintensive Aufgaben kommt beim Kryo-485-CPU mit ARM-Cortex-A76-Basis ein High-Performance-Kern mit einer Taktrate von bis zu 2,84 GHz und einem 512 Kilobyte großen L2-Cache zum Einsatz. Dieser Prime-Kern soll vor allem beim Starten von Apps für mehr Performance sorgen. Drei weitere Kryo-485-Kerne mit lediglich 256 Kilobyte L2-Cache und einer Maximaltaktung von 2,42 GHz unterstützen ihn. Für weniger rechenintensive Aufgaben stehen zudem vier weitere Kerne auf Cortex-A55-Basis mit maximal 1,8 GHz zur Verfügung. Sie reduzieren den Stromverbrauch und schonen somit den Akku.

Obwohl nominell die Werte der CPU geringer ausfallen, ist die Performance angestiegen. Qualcomm spricht von einem Zuwachs von 45 Prozent im Vergleich zum Snapdragon 845. So kann Qualcomm mit dem Snapdragon 855 bei Benchmarks zurückschlagen und u. a. den aktuellen Chip von Apple hinter sich lassen. Auch die Grafikeinheit ist bedeutend schneller. Zum Einsatz kommt die Adreno-640-GPU, die bis zu 20 Prozent schneller ist als die Vorjahres-GPU.

X50 5G Chip | Bild: Qualcomm



Ein Grund ist die Fertigung im 7-nm-Verfahren. Hergestellt wird der Top-Chip nicht mehr von Samsung, wie es noch beim Snapdragon 830 und 845 der Fall war. Stattdessen setzt Qualcomm auf TSMC, das als der weltweit größte unabhängige Auftragsfertiger für Halbleiter gilt und unter anderem auch für Apple die Prozessoren der A-Serie fertigt.

Auch in weiteren Bereichen konnte Qualcomm seinen Snapdragon 855 weiter verbessern. So wurde unter anderem die Leistung der KI (künstlichen Intelligenz) verdreifacht. Hier setzt der Hersteller auf den Hexagon 690, der als dedizierte Neural-Processing-Unit (NPU) genutzt wird. Er kann unter anderem bestimmte Machine-Learning-Aufgaben lokal schneller verarbeiten und mehr als sieben Billionen Operationen pro Sekunde (TOPS) durchführen. Auch hier soll der Chip im direkten Vergleich mit Apples A12 Bionic sowie dem Huawei Kirin 980 überlegen sein – laut Angaben von Qualcomm, sogar etwa doppelt so viel Leistung bieten.

Eines der Nutzungsgebiete für die KI ist die Unterstützung bei der Fotografie. Hier kommt der Spectra-380-Bildprozessor, der als Computer-Vision-ISP (CV-ISP) bezeichnet wird, zum Einsatz. Der IPS unterstützt unter anderem 4K-Videoaufnahmen mit 60 Hertz und Dolby-Vision sowie HDR10+. Zudem kann der Chip 4K-Videos mit H.264/H.265 und VP encodieren und decodieren, Bokeh-Tiefenunschärfe in Videos in Echtzeit einrechnen sowie per Objekterkennung komplette Hintergründe austauschen.

Snapdragon 855 Plus

Im Juli 2019 hat Qualcomm mit dem Snapdragon 855 Plus eine Weiterentwicklung des Snapdragon 855 vorgestellt. Die Plus-Version ist eine selektierte Variante des im Dezember 2018 vorgestellten Snapdragon 855 und steigert die Grafikleistung um bis zu 15 Prozent. Dies soll vor allem den Bereichen Gaming, Virtual- (VR) und Augmented Reality (AR) zugutekommen.

Um die Grafikleistung zu verbessern, setzt Qualcomm nicht auf zusätzliche Shader-Rechenkerne. Stattdessen fällt die Taktrate höher aus. Sie beträgt im Snapdragon 855 Plus nun ca. 670 MHz, während die GPU beim Snapdragon 855 „nur“ bei 585 MHz lag. Die genaue Taktrate ist aber von der Kühlung im jeweiligen Smartphone abhängig.

Auch bei der Taktrate der CPU gibt es eine Steigerung. Zwar kommen weiterhin acht Kerne zum Einsatz. Der Prime-Kern der vier Gold-Kerne ist weiterhin mit 512 KB L2-Cache ausgestattet, aber nun mit maximal 2,96 GHz getaktet. Damit starten Apps noch etwas schneller. Die restlichen Kerne weisen die gleichen Taktraten wie beim Snapdragon 855 auf.

Nicht verändert hat sich auch die Tatsache, dass auf dem Chip selbst nur das X24-Modem steckt. Optional kann der SoC aber mit dem X55-Modem gepaart werden, um zusätzlich zu 4G/LTE auch 5G zu unterstützten.

Snapdragon 765

Für das Jahr 2020 hat Qualcomm im Dezember 2019 auf dem „Snapdragon Tech Summit 2019“ gleich drei neue Chips angekündigt. Einer davon ist der neue Snapdragon 765, der für Smartphones der oberen Mittelklasse gedacht ist. Erhältlich ist dieser SoC auch in einer leistungsgesteigerten Variante namens Snapdragon 765G für Gamer (siehe weiter unten).

Wie heute üblich, handelt es sich bei dem Snapdragon 765 um eine CPU mit acht Kernen sowie 64-Bit-Architektur. Gefertigt wird auch dieser Chip (wie schon der Vorgänger Snapdragon 855) im 7-Nm-Verfahren. Der grundlegende Aufbau entspricht dem des weiter unten vorgestellten Flaggschiffs Snapdragon 865. Neben einem Prime- sowie Performance-Kern, gibt es beim Octa-Core Kryo 475 vier Efficiency-Kerne. Sowohl der Prime-Core mit maximal 2,3 GHz als auch der Gold-Core (max. 2,2 GHz) sind Cortex-A76-Kerne. Bei den restlichen Kernen handelt es sich um Cortex-A55 mit einer Taktrate von 1,8 GHz. Bei der RAM-Unterstützung muss sich die Snapdragon-765-Serie mit LPDDR4X bis 2.133 MHz begnügen.

Zur weiteren Ausstattung zählt ein Spectra 355 ISP, der bis zu 192 MP Bilderfassung oder bis zu 22 MP Dualkameras ohne Verzögerung verarbeiten kann. Wie auch das Top-Modell Snapdragon 865 unterstützt auch der Snapdragon 765-Serie native HDR- und 10-Bit-Videoaufnahmen. Das integrierte KI-System schafft bis zu 5,5 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde und ist dank dem neuen Hexagon-Tensor-Accelerator laut Angaben von Qualcomm doppelt so schnell wie im unmittelbaren Vorgänger Snapdragon 730.

Für die Konnektivität kommt das X52-Modem von Qualcomm mit 5G zum Einsatz. Im Unterschied zum Snapdragon 855 (Plus) sowie dem zeitgleich vorgestellten Snapdragon 865 ist das Multi-Mode-Modem nicht extern, sondern intern auf dem SoC verbaut. Das abgedeckte 5G-Spektrum umfasst Dynamic Spectrum Sharing (DSS), mmWave (2x2 MIMO) und Sub-6 GHz (100 MHz Bandbreite, 4x4 MIMO). DSS ermöglicht Providern die gleichzeitige Nutzung von Frequenzen für 4G und 5G, womit die Kosten für die Einführung von 5G gesenkt werden können. Im entsprechenden 5G-Netz unterstützt der Chip Downloadraten von bis zu 3,7 Gbit/s. Per LTE sind Downloads theoretisch mit bis zu 1,2 Gbit/s möglich. Uploads überträgt der Snapdragon 765G mit einer maximalen Geschwindigkeit von 1,6 Gbit/s per 5G sowie 210 Mbit/s im LTE-Netz. Neben 5G und LTE/4G unterstützt der Snapdragon 765G auch die weiteren Mobilfunktechnologien HSPA, WCDMA, TD-SCDMA, CDMA 1x, EV-DO und GSM/EDGE.

Snapdragon 750G 5G

Mit dem Snapdragon 750G 5G hat Qualcomm im September 2020 einen weiteren SoC mit 5G angekündigt. Dieser sortiert sich zwischen dem Snapdragon 690 und dem Snapdragon 765G ein. Er richtet sich vor allem an Gamer bzw. Gaming-Smartphones und beerbt den Snapdragon 730 5G. Im Vergleich zum Vorgänger soll der neue Snapdragon 750G 5G 20 Prozent mehr CPU-Performance, 10 Prozent mehr Grafikleistung und eine um 20 Prozent höhere AI-Performance abliefern.

Das Herz des Snapdragon 750G 5G ist eine Qualcomm Kryo 570 CPU mit einer verbesserten Architektur. Sie setzt sich aus insgesamt acht Kernen zusammen, die auf Cortex-A77 Performance-Kerne mit 2,2 GHz sowie Cortex-A55 Effizienz-Kerne von ARM aufgeteilt sind. Dazu kommt der neue Adreno 619 GPU, der 10 Prozent schneller arbeitet als der Adreno 618 im Snapdragon 730G. Ebenfalls verbaut ist der Qualcomm AI Engine der 5. Generation mit Hexagon Tensor Accelerator. Dank 20 Prozent mehr Performance erreicht er nun über 4.0 TFLOPS Performance.

Bei dem integrierten 5G-Modem handelt es sich um das Qualcomm Snapdragon X52 5G. Dieses unterstützt den neuen Mobilfunkstandard mit den Frequenzbereichen Sub-6-GHz, ebenso mmWave sowie globale 5G-Bänder mit SA / NSA und FDD / TDD mit einer Downloadrate von bis zu 3,7 Gbit/s. Im Upload sind unter Idealbedingungen bis zu 1,6 Gbit/s möglich. Auch das Dynamic Spectrum Sharing (DSS), das in Deutschland unter anderem von der Deutschen Telekom eingesetzt wird, beherrscht das Snapdragon X52 5G.

Smartphone-Hersteller können mit dem Qualcomm Snapdragon 750G 5G Displays mit FHD+-Auflösung und bis zu 120 Hz Bildwiederholungsrate verbauen. Kameraseitig werden dank dem Qualcomm Spectra ISP der 3. Generation 4K-HRD-Videoaufnahmen und Aufnahmen mit bis zu 192 Megapixel unterstützt. Akkus können dank Qualcomm Quick Charge 4+ schnell geladen werden. Zu den Gaming-Merkmalen des Snapdragon 750G 5G zählen unter anderem True HDR Gaming mit 10 Bit Farbtiefe, 5G Cloud Gaming sowie weitere Qualcomm Snapdragon Elite Gaming Features.

Snapdragon 765G

Der Snapdragon 765G ist eine leistungsgesteigerte Variante des Snapdragon 765, der vor allem zum Spielen von Mobile Games und damit für Gaming-Smartphones gedacht ist. Ähnlich war Qualcomm bereits beim Snapdragon 730 sowie dem Snapdragon 730G verfahren. Bis auf die unten vorgestellten Unterschiede, gleichen sich der Snapdragon 765 mit und ohne G ansonsten in ihrer Ausstattung und Funktionalität.

Die Unterschiede liegen vor allem bei der höher getakteten Adreno-620-GPU sowie dem um 100 MHz höher getakteten Prime-CPU-Kern im Vergleich zum Standard-Snapdragon 765. Die CPU ist somit bis maximal 2,4 GHz getaktet. Zudem erhält die G-Version des Snapdragon 765 auch einige ausgewählte Snapdragon Elite Gaming-Funktionen. Hierzu zählen Game Smoother, Game Fast Loader und Game Network Latency Manager. Dies soll insgesamt für 20 Prozent schnellere Grafikleistung sorgen. So ist die GPU in der Lage, Displays mit QHD+-Auflösung mit bis zu 60 Hz zu befeuern. Bei FHD+-Displays sind Bildwiederholungsraten von bis zu 120 Hz möglich.

Snapdragon 768G

Im Mai 2020 hat Qualcomm mit dem neuen Snapdragon 768G eine noch schnellere Version des zuvor vorgestellten Snapdragon 765G vorgestellt. Auch wenn er wie der Vorgänger mit Qualcomms Kryo-475-CPU ausgestattet ist, ist die Performance laut Hersteller um 15 Prozent höher. Dies liegt primär an der höheren Taktrate. Die schnellsten der acht Kerne arbeiten mit bis zu 2,8 GHz. Beim 765G ist hingegen bei 2,4 GHz Schluss. Dies ist die Taktrate des zweiten Kerns, die beim Vorgänger bei 2,2 GHz liegt. Auch die GPU vom Typ Adreno 620 bietet 15 Prozent mehr Performance. Das KI-System mit dem Hexagon-Tensor-Accelerator wurde weiter optimiert. Und statt Bluetooth 5.0 ist nun Bluetooth 5.2 mit an Bord. Ansonsten hat sich nicht viel geändert. Es ist wieder das Snapdragon X52-Modem mit 5G-Kompatibilität für mmWave und sub-6-GHz direkt auf dem Chip verbaut. Dies ermöglicht Downloadraten von bis zu 3,7 Gbit/s. Gefertigt wird der SoC im 7LPP-Verfahren bei Samsung Foundry. Das erste Smartphone, das den neuen Snapdragon 768G von Qualcomm eingepflanzt bekommt, ist das Redmi K30 5G Racing Edition von Xiaomi.

Snapdragon 865

Als Nachfolge des Snapdragon 855 (Plus) hat Qualcomm im Dezember 2019 auch den neuen Top-SoC Snapdragon 865 vorgestellt. Dieser ist für Oberklasse-Smartphones mit Android als Betriebssystem gedacht und soll ab Frühjahr 2020 in einer Reihe von Highend-Smartphones verbaut werden. Hergestellt wird der Prozessor im verbesserten 7-Nm-Prozess (N7P, DUV-basiert) bei TSMC. Die Leistung soll laut Hersteller um bis zu 7 Prozent höher liegen, der Strombedarf im direkten Vergleich mit N7 hingegen um 10 Prozent geringer ausfallen.

Anders als beim zeitgleich vorgestellten, aber leistungsschwächeren Snapdragon 765(G), steckt im Snapdragon 865 wieder (wie beim Snapdragon 855) kein 5G-Modem auf dem SoC. Dies liegt an unterschiedlichen Entwicklungszeiten für das neue X55 5G-Modem, das also weiterhin ein externer Chip ist. Dieses unterstützt laut Unternehmensangaben alle Schlüsselregionen und Frequenzbänder inklusive mmWave, Sub-6, TDD, FDD und Dynamic Spectrum Sharing (DSS). Die maximale Downloadrate im 5G-Modes soll bei bis zu 7,5 Gbit/s liegen. Da Qualcomm es vorsieht, dass der Snapdragon 865 immer mit dem X55-Modem verbaut wird, sollte in der Theorie jedes Gerät mit diesem SoC ein 5G-Smartphone bzw. -Tablet sein. Auch ein LTE-Modem ist nicht mehr auf dem Chip zu finden. Diesbezüglich unterstützt das X55 LTE Cat 24/22.



Ebenso bei den Rechenkernen hat sich im Vergleich zum Vorgänger Snapdragon 855 einiges getan. Hinsichtlich der bloßen Zahlen ist der neue Chip mit maximal 2,84 GHz zwar etwas langsamer getaktet als der Snapdragon 855 Plus mit bis zu 2,96 GHz. Das ist aber nicht weiter wild. Denn Qualcomm hat seinen Fokus bei der Entwicklung des neuen Chips nicht auf eine noch höhere Taktrate gelegt. Es werden erstmals vier Cortex-A77-Performance-Kerne eingesetzt. Diese sind bedeutend leistungsfähiger als die A76 aus dem Vorgänger. Zudem wurde der Level-3-Cache von 2 auf 4 MB verdoppelt. Die Taktrate des Prime-Kern liegt bei besagten 2,84 GHz, die drei weiteren Cortex-A77 sind mit bis zu 2,42 GHz getaktet. Dazu gesellen sich noch vier weitere ARM Cortex-A55-Kerne, die mit maximal 1,8 GHz arbeiten. So kommt der Snapdragon 865 auf mehr Leistung und setzt sich bei ersten Benchmarks klar an die Spitze des Feldes.

Für weitere Performance-Gewinne sorgt der verbaute Speicherkontroller, der neben LPDDR4X mit 2.130 MHz nun auch LPDDR5 mit bis zu 2.750 MHz unterstützt. Kombinieren lässt er sich mit bis zu 16 GB Arbeitsspeicher. Als integrierte GPU kommt der neue Grafikchip Adreno 650 zum Einsatz. Dieser soll im Vergleich zum Vorgänger bis zu 25 Prozent mehr Leistung erzielen. So kann das SoC Displays von Smartphones und Tablets bei einer 4K-Auflösung mit bis zu 60 Hz ansteuern. Bei Geräten mit einer QHD+-Auflösung sind sogar bis zu 144 Hz möglich. Ebenfalls positiv für Gamer ist, dass es Updates für Grafiktreiber geben soll, die auf aktuelle Spiele abgestimmt sind und bei Verfügbarkeit heruntergeladen werden können.

Auch bei der KI-Leistung hat sich einiges getan. Hier erreicht der Snapdragon 865 dank dem Hexagon 698 DSP, der weiterhin CPU, GPU, HVX und Tensor-Kerne gemeinsam nutzt, 15 TOPS. Das ist im Vergleich zu 7 TOPS beim Vorgänger Snapdragon 855 eine Steigerung von über 100 Prozent. Zur weiteren Ausstattung zählt der integrierte Spectra 480 ISP. Auch er ist deutlich beschleunigt worden und integriert weiterhin eine Computer Vision Engine (CV-ISP). Er soll mit einer Geschwindigkeit von bis zu zwei Gigapixel pro Sekunde arbeiten. Möglich macht dies unter anderem die Unterstützung von Videoaufnahmen mit 8K und Dolby Vision sowie Fotos mit bis zu 200 Megapixel.

Hinsichtlich WLAN unterstützt der Snapdragon 865 dank integriertem Modul FastConnect 6800 nun auch Wi-Fi 6 (802.11ax) mit 8x8 MU-MIMU und 60 GHz 11ay mit bis zu 10 Gbit/s. Ebenfalls mit an Bord sind Bluetooth 5.1 sowie die Unterstützung des Audio-Codecs aptX Adaptive. Qualcomms neue und durch KI gestützte QuickCharge-Technik, soll laut Unternehmensangaben nicht nur Akkus schneller laden, sondern auch die Akku-Lebensdauer um bis zu 200 Tage steigern.

Snapdragon 865 Plus

Anfang Juli 2020 hat Qualcomm mit dem Snapdragon 865 Plus (865+) einen neuen Top-SoC vorgestellt. Der Chip ist ein aufgebohrter Snapdragon 865, der noch schneller getaktet ist und sich vor allem an neue High-End- und Gaming-Smartphones richtet. Damit bleibt Qualcomm seinem Stil treu, hatte doch bereits im vergangenen Jahr der damalige Snapdragon 855 später eine Plus-Version mit noch mehr Leistung bekommen.

Der im 7-nm-Verfahren gefertigte Snapdragon 865 Plus ist der erste SoC für Smartphones, der die Schallmauer von 3 GHz Taktrate knackt. Der Prime Core Kryo 585 auf Basis von ARMs Cortex-A77 ist mit maximal 3,1 GHz getaktet und damit rund 10 Prozent schneller als der mit 2,84 GHz arbeitende Snapdragon 865. Die Taktrate der restlichen Kerne ist aber identisch. Ebenfalls rund 10 Prozent schneller werkelt die Adreno 650 GPU, die nun einen maximalen GPU-Takt von rund 650 MHz aufweist. Dies sorgt zusammen mit der schnelleren CPU für noch mehr Performance für Mobile Games und anspruchsvolle Apps sowie schnelle App-Starts.

Qualcomm verspricht sogar Gaming auf Desktop-Niveau mit bis zu 144 fps (Frames per Second) und echtem 10-Bit-HDR. Ebenfalls schneller sind die Datenverbindungen. Unverändert ist zwar, dass der SoC ebenfalls wie die Plus-lose Variante zusammen mit dem Snapdragon X55 RF 5G-Modem verbaut werden kann (ist wie beim Snapdragon 865 und im Gegensatz zu anderen Qualcomm-SoCs nicht direkt auf dem Chip) und somit ebenfalls den neuen Mobilfunkstandard ab Werk unterstützt. Das Modem unterstützt bekanntermaßen Dynamic Spectrum Sharing (DSS), mmWave und sub-6 GHz mit einer Geschwindigkeit von bis zu 3 Gbit/s. Für schnellere Datenübertragungen sorgt aber Qualcomm FastConnect 6900 mit Wi-Fi 6E. Diese Technologie beschleunigt die Wi-Fi-Geschwindigkeit mittels Kanalbündelung auf bis 3,6 Gbit/s bei einer Latenz von weniger als 3 ms. Zudem ist das neue Bluetooth 5.2 mit an Bord. Als eine der ersten Smartphones mit dem Snapdragon Plus 865 werden das ROG Phone 3 und das Lenovo Legion Gaming-Phone auf den Markt kommen. Aber auch andere Hersteller werden bei ihren zukünftigen Flaggschiffen sicherlich auf diesen neuen SoC Snapdragon 865 Plus von Qualcomm setzen.

Snapdragon 690

Mit dem im Juni 2020 offiziell angekündigten Snapdragon 690 bringt Qualcomm erstmals den neuen Mobilfunkstandard 5G in seine Snapdragon-6XX-Baureihe. Diese war bisher nur mit LTE erhältlich und richtet sich vor allem an Smartphones in den günstigeren Preisregionen, sprich die Einsteiger- und Mittelklasse.

Der Snapdragon 690, der von Samsung im 8-nm-Prozess gefertigt wird, ist der Nachfolger des Snapdragon 675. Neben der Neuerung 5G, bietet er auch deutlich mehr Performance. Qualcomm gibt einen Leistungsgewinn von 20 Prozent an. Hierfür sorgen die insgesamt acht Kerne des Octa-Core-CPUs mit 64-Bit-Architektur. Im Einzelnen sind dies zwei 2 GHz schnell getaktete Kryo 560-Cores mit Cortex-A77-Architektur sowie sechs energiesparsame Cortex A-55-Kerne mit 1,7 GHz.

Als Grafikeinheit verbaut Qualcomm beim Snapdragon 690 die Adreno 619L GPU, die laut Hersteller sogar bis zu 60 Prozent schneller arbeitet als der Vorgänger. Weitere Verbesserungen haben der Qualcomm AI Engine der 5. Generation und der Hexagon 692 erhalten. Die AI-Performance liegt laut Qualcomm 70 Prozent über der des Vorgängers. Der Bildprozessor Qualcomm Spectra 355L ISP versteht sich mit 48 Megapixel-Kameras sowie Dual-Cams mit 32 und 16 Megapixel. Zudem unterstützt der SoC Displays mit 120 Hz sowie Video-Aufnahmen in 4K HDR.

Für die 5G-Konnektivität kommt das ebenfalls neue Snapdragon X51-Modem zum Einsatz. Dieses unterstützt 5G SA und 5G NSA im sub-6 GHz-Bereich (TDD, FDD) - also kein mmWave - sowie Dynamic Spectrum Sharing (DSS), das z. B. die Telekom für ihren 5G-Ausbau nutzt. Maximal sind über das 5G-Netz 2,5 Gbit/s und per LTE 1,2 Gbit/s im Download möglich. Die Upload-Geschwindigkeit gibt Qualcomm mit maximal 660 Mbit/s per 5G und 210 Mbit/s mit LTE an. Damit ist das 5G-Modem Snapdragon X51 deutlich langsamer als die anderen 5G-Modems Snapdragon X50, X55 und X60 von Qualcomm (siehe unten).

Für weitere Konnektivität unterstützt der Snapdragon 690 802.11a/b/g/n bei 2,4 und 5 GHz. Zudem ist er 802.11ax-ready (WiFi 6). Bluetooth in Version 5.1 mit aptX Adaptive, NFC sowie Beidou, Galileo, GLONASS, GNSS, NavIC, GPS, GNSS, QZSS und SBAS für die Ortung sind ebenfalls auf dem SoC verbaut.

Der Snapdragon 690 soll irgendwann im zweiten Halbjahr 2020 verfügbar sein. Als erstes Smartphone mit dem neuen SoC von Qualcomm könnte das Nokia 7.3 von HMD Global auf den Markt kommen.

Tabelle mit allen wichtigen 5G-Modemchips von Qualcomm im Überblick:

Snapdragon 5G-Technologie 5G-Spektrum 5G-Modi 5G-mmWave-Spezifikationen 5G-sub-6-GHz-Spezifikationen mmWave-Merkmale max. Downloadrate 5G max. Uploadrate 5G max. Downloadrate LTE max. Uploadrate LTE
X50 5G NR mmWave, sub-6 GHz NSA (Non-Standalone), TDD 800 MHz Bandbreite, 8 Carrier, 2x2 MIMO 100 MHz Bandbreite, 4x4 MIMO Beam forming, Beam steering, Beam tracking, Zweischichtpolarisation in Downlink und Uplink 5 Gbit/s keine Herstellerangabe nicht verfügbar nicht verfügbar
X51 5G NR sub-6 GHz FDD, TDD, SA (standalone), NSA (non-standalone) nicht verfügbar 100 MHz Bandbreite, 4x4 MIMO nicht verfügbar 2,5 Gbit/s 660 Mbit/s 1,2 Gbit/s 210 Mbit/s
X52 5G NR mmWave, sub-6 GHz FDD, TDD, SA (standalone), NSA (non-standalone) 2x2 MIMO 100 MHz Bandbreite, 4x4 MIMO keine Herstellerangabe 3,7 Gbit/s 1,6 Gbit/s 1,2 Gbit/s 210 Mbit/s
X55 5G NR 5G/4G Spectrum Sharing, mmWave, sub-6 GHz FDD, NSA (Non-Standalone), SA (Standalone), TDD 800 MHz Bandbreite, 8 Carrier, 2x2 MIMO 200 MHz Bandbreite, 4x4 MIMO keine Herstellerangabe 7.5 Gbit/s 3 Gbit/s 2.5 Gbit/s 316 Mbit/s
X60 5G NR mmWave-sub6 Carrier-Aggregation, sub-6 Carrier-Aggregation (FDD-TDD, FDD-FDD, TDD-TDD), Dynamic Spectrum Sharing (DSS), mmWave, sub-6 GHz FDD, TDD, SA (standalone), NSA (non-standalone) 800 MHz Bandbreite, 8 Carrier, 2x2 MIMO 200 MHz Bandbreite, 4x4 MIMO keine Herstellerangabe 7.5 Gbit/s 3 Gbit/s nicht verfügbar nicht verfügbar